Gar keine trockenen Zahlen

Eine spannende Diskussion und kundige Referenten beim WIN-Abend.

Steigende Investitionen trotz hoher Schulden / Unternehmer diskutierten mit Experten

Die Erkenntnisse aus der Chaostheorie lassen sich bisweilen auch auf öffentliche Entscheidungsprozesse anwenden. Das war der Eindruck, den die Zuhörer aus dem kurzweiligen Vortrag von Physiker Dr. Oliver Kamps mitnahmen. Denn in komplexen Systemen „versklaven“ die langsameren Teile die schnelleren. Kamps eröffnete die Diskussionsveranstaltung, zu der die Wirtschaftsinitiative Münster (WIN) ins H7 eingeladen hatte. Etwa 20 Unternehmer diskutierten intensiv und auf hohem fachlichen Niveau mit dem Leiter des städtischen Amtes für Finanzen und Beteiligungen, Michael Schetter, und Tiefbauamtsexperte Alexander Buttgereit.

Am Straßenbau zeigt sich, wie wichtig es ist, eine gute Entscheidungsgrundlage zu haben. Die Zahl der Baustellen wird notgedrungen steigen, aber die Stadt bewegt sich seit Jahren nur knapp oberhalb der Haushaltssicherungsgrenze. Andererseits bewerben sich kaum noch Firmen um Tiefbauaufträge, weil alle Kapazitäten ausgereizt sind. Für münstersche Unternehmer ist das Timing der Ausschreibungen schwierig, merkte WIN-Vorstand Thorsten Kubitza an. Hier will die WIN die Diskussion weitertreiben und die Suche nach Lösungen begleiten, versprach die WIN-Vorsitzende Katharina Neuroth.

Michael Schetter veranschaulichte, warum die Entscheidungskette bis zum gültigen städtischen Haushalt so lang und vermeintlich zäh ist. Trotz schwieriger Finanzlage investiert Münster zurzeit massiv in Bildung und Mobilität. Der größte Anteil der städtischen Ausgaben, die Mittel für Jugend und Soziales, sei aber nicht verhandelbar. Die Kommune ist hier gesetzlich gebunden. Bei den Unternehmenssteuern liegt Münster in NRW am unteren Ende.

 Um etwa die Hälfte des städtischen Vermögens kümmert sich das Tiefbauamt: die Infrastruktur. Die meisten Straßen in Münster sind nach dem Krieg gebaut und müssen in den nächsten Jahren erneuert werden, erläuterte Experte Alexander Buttgereit. Denn sind die Straßen schlecht, schrumpft das Vermögen. Das Infrastruktur-Management TIMM hilft hier, ein Investitionschaos zu vermeiden und die Baustellen so zu steuern, dass die Menschen in der Stadt nicht über Gebühr belastet werden.

v.l.n.r.: Stefan Gomolluch, Dr. Wiebke Borgers, Alexander Buttgereit, Katharina Neuroth, Dr. Oliver Kamps, Michael Schetter

Komplexität, Krisen und Chaos - Vortrag von Dr. Oliver Kamps

Die städtischen Finanzen - Vortrag von Michael Schetter

Finanztechnische Aspekte beim kommunalen Infrastrukturmanagement - Vortrag von Alexander Buttgereit